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Ausstellung

Identifikation

 

20 November 2020 - 22 November 2020
St Marien Kirche Lübeck     

 

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Fotos: Dmitrij Leltschuk ©

Eine Gruppenausstellung belarussischer Künstler zeigt die St.-Marien-Kirche in Lübeck von Freitag, 20. November 2020, bis Sonntag, 22. November 2020. In Zusammenarbeit mit der belarussischen Diaspora Hamburg Razam werden hier Positionen von 16 belarussischen Künstlern präsentiert. Die Ausstellung ist eine Reaktion auf die Dokumentation der weißrussischen Protestkunst in der Hauptkirche St. Marien in Rostock.

Im Oktober 2020 wurde in der evangelisch-lutherischen Hauptkirche Rostocks, St. Marien, die Protestkunst der belarussischen Künstler dokumentiert. Die Ausstellung in der dreischiffigen Basilika war ein aufwühlendes Erlebnis, vor allem für die Künstler selbst. Gegenüber dem grau-olivfarbenen Hochaltar mit seinem zweistöckigen Barockbau waren erstmals Gemälde und Fotografien ausgestellt, die eine Momentaufnahme der belarussischen Opposition zeigten, darunter Swjatlana Zichanouskaja - Präsidentschaftskandidatin im Exil, Maria Kolesnikowa - Oppositionsführerin im Gefängnis, Swetlana Alexijewitsch - Nobelpreisträgerin im Exil...

Alle Figuren waren in die weiß-roten Farben der Nation getaucht, die seit Monaten versucht, sich wie ein Phönix zu erheben. Der Autor der weiß-roten Flagge - Klaudsij Dusch-Duscheuski - versteckte einst Juden zu Hause und wurde dafür ins KZ Auen deportiert. Heute hat das Regime dieser Fahne den Krieg erklärt und ist dabei, alle Menschen zu unterdrücken, die auch nur den kleinsten Hauch von symbolischen Farben haben. In den Werken der Ausstellung haben diese Farben jedoch ihren Weg nach draußen gefunden, schweben aber immer noch wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Künstler. Schließlich reicht diese Ausstellung allein schon aus, um die Künstler in Belarus zu quälen. Die Reminiszenzen an die entartete Kunst werden deutlich.

Am 9. August trat ein ethnopsychologisches Phänomen auf. Belarussen in der ganzen Welt empfanden einen metaphysischen Schmerz, der zur Vereinigung und Konsolidierung des belarussischen Volkes führte. An diesem Tag verkündete das Regime seinen Wahlsieg auf der Grundlage von nicht belegbaren 80% der Stimmen und reagierte auf friedliche Proteste mit Betäubungsgranaten, Gummigeschossen und in einigen Fällen mit scharfer Munition. In den folgenden Tagen wurden Tausende von Bürgern inhaftiert, gefoltert und mit Gummistöcken vergewaltigt. Seitdem haben die gewaltsamen repressiven Übergriffe auf die Zivilbevölkerung zugenommen, und das Regime bekämpft alle Ansätze oppositionellen Denkens mit unmenschlichen Mitteln. Zensur, Entlassungen, Ausweisungen, Verhaftungen und sogar Entführungen von oppositionellen Bürgern erschüttern zunehmend das Land.

Diese Ereignisse haben weltweit zu einer Neubewertung der ethnischen Selbstidentifikation der Belarussen geführt. Die Belarussen begannen, ihr eigenes Wesen, ihre Rolle im Verständnis der Geschichte und in der Bildung des "Neuen Belarus" neu zu bewerten, einschließlich des Bewusstseins ihres Rechts auf eine freie und unabhängige Existenz und auf die Schaffung einer originären ethnischen Kultur, einschließlich der zeitgenössischen bildenden Kunst. Der soziale und kulturelle Kern dieser Bewegung ist zu einer Mentalität geworden, die es den Ethnophilen ermöglicht, die Realität auf ähnliche Weise wahrzunehmen, zu bewerten und schöpferisch zu handeln, indem sie die These von der bestimmenden Rolle des Nationalbewusstseins bei der Selbsterziehung der Nation wahrnehmen und mit der belarussischen künstlerischen Moderne verbinden.

Nun wagt die belarussische Diaspora Hamburg Razam einen weiteren Schritt und präsentiert eine neue Ausstellung "Neue belarussische Kunst" in der Kirche St. Marien Lübeck. Damit will Hamburg Razam seinem Anspruch gerecht werden, Positionen von 16 belarussischen Künstlern zu zeigen, die besonders aktuell, besonders dringlich und ganz nah sind. Die Künstlerinnen und Künstler stellen Arbeiten aus, die mehr als eine Verbindung von aktuellen Momentaufnahmen schaffen. Indem sie ihr Wesen einer neuen Selbstidentifikation und ihre Erfahrungen mit der Metaphysik des ethnopsychologischen Phänomens reflektieren, haben die Künstler zeitgenössische Werke geschaffen, die das Potenzial haben, einen besonderen Beitrag zur modernen Kunst zu leisten, indem sie die Traditionen belarussischer Künstler wie Marc Chagall und Chaim Soutine fortsetzen.

Die Ausstellung kann freitags von 13 bis 16 Uhr, samstags von 10 bis 16 Uhr und sonntags von 13 bis 15 Uhr in der Marienkirche besucht werden. Außerdem gibt es einen Livestream am Freitag, 20. November 2020, von 16 bis 17 Uhr auf dem Instagram-Kanal der Kirche und eine Übertragung im Offenen Kanal Lübeck und per Livestream am Sonnabend, 21. November 2020, von 11 bis 12 Uhr. 

 
 
 
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